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Fußball in Saudi-Arabien: der Weg zur Weltspitze

Internationaler Fußball
Fußball in Saudi-Arabien: der Weg zur Weltspitze
Milliardenschwere Transfers, eine eigene Starliga und die WM 2034: Saudi-Arabien hat sich in wenigen Jahren ins Zentrum des Weltfußballs gekauft – gefeiert von den einen, scharf kritisiert von den anderen.

Liga Saudi Pro League (18 Klubs) Erste Saison 1976/77 Transferwelle seit 2023 WM-Gastgeber 2034
Als Cristiano Ronaldo Anfang 2023 bei Al-Nassr unterschrieb, war das mehr als ein spektakulärer Transfer. Es war der Startschuss für ein Projekt, das den Weltfußball verändert hat: Saudi-Arabien will mit dem Ball ganz nach oben. Innerhalb weniger Jahre lockte das Königreich einige der größten Namen des Sports in seine Liga, sicherte sich die Weltmeisterschaft 2034 und rückte damit ins Rampenlicht – begleitet von ebenso lauter Kritik. Ein Überblick über Aufstieg, Ambitionen und Kontroversen.
Das wachsende Interesse am Fußball
Fußball war in Saudi-Arabien immer beliebt, doch das Interesse ist zuletzt sprunghaft gestiegen. Treiber ist der massive Ausbau der heimischen Liga, der Saudi Pro League, die durch spektakuläre Transfers weltweite Aufmerksamkeit erregt. Hinter der Offensive steht ein klarer Plan: „Vision 2030“, die Strategie des Königreichs, die Wirtschaft breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Der Sport spielt darin eine tragende Rolle.

Finanziert wird das Projekt größtenteils über den staatlichen Public Investment Fund (PIF), einen der größten Staatsfonds der Welt. Im Juni 2023 übernahm der PIF jeweils 75 Prozent an den vier größten Klubs des Landes – Al-Nassr, Al-Hilal, Al-Ittihad und Al-Ahli. Damit war das Kapital vorhanden, um auf dem Transfermarkt praktisch jeden Preis zu zahlen.
Die Saudi Pro League und ihre Stars
Die Saudi Pro League ist die höchste Spielklasse des Landes. Ihre erste offizielle Saison stieg 1976/77, den heutigen Namen trägt sie seit 2008. Lange war sie international kaum beachtet – bis 2023 alles verändert wurde.

Cristiano Ronaldo machte den Anfang: Zum Jahreswechsel 2022/23 wechselte er zu Al-Nassr, für ein kolportiertes Jahresgehalt von rund 200 Millionen Euro. Es folgte eine beispiellose Transferwelle. Karim Benzema kam im Sommer 2023 zu Al-Ittihad, dazu Spieler wie Sadio Mané, N'Golo Kanté, Roberto Firmino und Riyad Mahrez. Lionel Messi hingegen lehnte ein Angebot ab und wurde stattdessen Tourismus-Botschafter des Landes.
Nicht jeder Coup hielt: Neymar kam 2023 für rund 90 Millionen Euro – und verließ die Liga nach nur sieben Spielen wieder.
Dass die Strategie nicht immer aufgeht, zeigt das Beispiel Neymar. Der Brasilianer wechselte im Sommer 2023 zu Al-Hilal, kam aber wegen Verletzungen in siebzehn Monaten nur auf sieben Einsätze. Ende Januar 2025 lösten beide Seiten den Vertrag auf; Neymar kehrte zu seinem Jugendklub FC Santos zurück. Der Fall steht für die Kehrseite des Projekts: Geld allein garantiert keinen sportlichen Erfolg. Getragen wird die Liga heute vor allem von Ronaldo, Benzema und einer wachsenden Zahl jüngerer internationaler Profis.
Die Weltmeisterschaft 2034 in Saudi-Arabien
Der größte Coup ist längst gelungen: Am 11. Dezember 2024 vergab die FIFA die Weltmeisterschaft 2034 offiziell an Saudi-Arabien. Das Land war der einzige Bewerber; die Vergabe erfolgte per Akklamation, also durch Zustimmung ohne Gegenkandidat. Damit ist die WM 2034 nach Katar 2022 das zweite Turnier am Persischen Golf.

Gespielt wird im neuen 48er-Format mit 104 Partien, verteilt auf fünf Städte: die Hauptstadt Riad, die Hafenstadt Dschidda, Al-Chobar, die futuristische Planstadt NEOM und Abha. Zum Zeitpunkt der Vergabe war ein Großteil der geplanten Stadien noch nicht gebaut – elf von fünfzehn existierten nur auf dem Papier. Auch der genaue Termin ist offen: Wegen der Sommerhitze gilt eine Verlegung in kühlere Monate als wahrscheinlich, wie schon 2022 in Katar.
Kritik: der Vorwurf des Sportswashing
So groß die sportlichen Ambitionen sind, so laut ist die Kritik. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International werfen Saudi-Arabien vor, den Fußball zu nutzen, um von Missständen abzulenken – ein Vorgehen, das vielfach als „Sportswashing“ bezeichnet wird. Kritisiert werden unter anderem die Einschränkung von Frauenrechten, der Umgang mit Homosexualität, fehlende Meinungsfreiheit und die Zahl der Hinrichtungen. Auch die WM-Vergabe ohne Gegenkandidat und die fehlende Transparenz der Investitionen stehen in der Kritik.

Die saudische Seite und die FIFA verweisen dagegen auf Reformen, die wirtschaftliche Öffnung im Rahmen von „Vision 2030“ und die Ausweitung des Fußballs in der Region. Zudem argumentiert die Liga, auch europäische Wettbewerbe hätten seit jeher mit hohen Gehältern um Stars geworben. Wie belastbar diese Gegenargumente sind, bleibt umstritten – klar ist nur, dass das Thema den Weltfußball noch lange begleiten wird.
Zwei Seiten einer Medaille. Befürworter sehen in Saudi-Arabiens Milliarden einen Modernisierungsschub für den Fußball in der Region. Kritiker sehen vor allem den Versuch, mit sportlichem Glanz von politischen und gesellschaftlichen Problemen abzulenken. Beide Lesarten begleiten das Projekt von Beginn an.
Vom Anpfiff zur WM: die wichtigsten Stationen
  • 1976Erste offizielle Saison der obersten saudischen Liga.
  • 2023Ronaldo wechselt zu Al-Nassr und löst eine beispiellose Transferwelle aus.
  • 2023Der Staatsfonds PIF übernimmt die vier größten Klubs des Landes.
  • 2024Die FIFA vergibt die Weltmeisterschaft 2034 offiziell an Saudi-Arabien.
  • 2025Neymar verlässt die Liga wieder – ein Symbol für Grenzen des Projekts.
Langfristige Ambitionen
Saudi-Arabiens Fußballstrategie zielt nicht nur auf kurzfristige Schlagzeilen. Das Land investiert auch in die Jugendförderung und will einheimische Talente an das Niveau der internationalen Stars heranführen. Die Idee: Wer neben Weltklassespielern trainiert, wächst selbst über sich hinaus. Ob dieser Plan aufgeht und Saudi-Arabien bis 2034 nicht nur als Gastgeber, sondern auch sportlich eine Rolle spielt, ist eine der spannendsten Fragen des internationalen Fußballs.

Klar ist: Das Königreich hat sich einen festen Platz in der Fußballwelt gesichert – wirtschaftlich längst, sportlich zunehmend, und politisch umstritten wie kaum ein anderes Projekt der jüngeren Zeit.

Wie der große Weltfußball 2026 tickt, verfolgst du bei unseren WM- und Spielanalysen. Und wenn du lieber auf die heimische Eliteklasse blickst, findest du die aktuellen Einschätzungen bei den 1. Bundesliga Tipps.
Häufige Fragen zum Fußball in Saudi-Arabien
Findet die Fußball-WM 2034 in Saudi-Arabien statt?
Ja. Die FIFA vergab die Weltmeisterschaft 2034 am 11. Dezember 2024 offiziell an Saudi-Arabien, das der einzige Bewerber war. Gespielt wird im 48er-Format mit 104 Spielen in fünf Städten: Riad, Dschidda, Al-Chobar, der Planstadt NEOM und Abha.
Welche Stars spielen in der Saudi Pro League?
Den Anfang machte Cristiano Ronaldo, der Anfang 2023 zu Al-Nassr wechselte. Es folgten unter anderem Karim Benzema, Sadio Mané, N'Golo Kanté und Roberto Firmino. Neymar spielte ebenfalls kurz für Al-Hilal, verließ die Liga aber Anfang 2025 wieder. Lionel Messi lehnte ein Angebot ab.
Seit wann gibt es die Saudi Pro League?
Die erste offizielle Saison der obersten saudischen Liga fand 1976/77 statt. Den heutigen Namen „Saudi Pro League“ trägt der Wettbewerb seit 2008. International bekannt wurde die Liga vor allem ab 2023 durch die spektakulären Transfers.
Warum investiert Saudi-Arabien so viel in den Fußball?
Die Investitionen sind Teil der Strategie „Vision 2030“, mit der Saudi-Arabien seine Wirtschaft breiter aufstellen und das internationale Ansehen verbessern will. Finanziert wird das Projekt vor allem über den staatlichen Public Investment Fund, der 2023 die vier größten Klubs des Landes übernahm.
Was bedeutet der Vorwurf des Sportswashing?
Mit „Sportswashing“ ist der Vorwurf gemeint, dass ein Land den positiv besetzten Sport nutzt, um von Missständen wie Menschenrechtsverletzungen abzulenken. Organisationen wie Amnesty International erheben diesen Vorwurf gegen Saudi-Arabien. Die saudische Seite verweist dagegen auf Reformen und wirtschaftliche Modernisierung.
25.10.2024